Korg hat mit dem Multi/Poly einen virtuell-analogen Synthesizer geschaffen, der die Essenz des legendären Mono/Poly aus den 1980er-Jahren einfängt und mit moderner Technologie aufwertet. Während die Tastaturversion des Multi/Poly bereits für Aufsehen gesorgt hat, bringt das Multi/Poly Module, vorgestellt auf der NAMM 2025, die gleiche Klangpower in ein kompaktes Desktop- und Rack-Format. Ohne Tastatur ist es speziell für Musiker konzipiert, die bereits ein Masterkeyboard besitzen oder ihren Studio-Platz optimieren möchten. In diesem Test werfen wir einen detaillierten Blick auf das Multi/Poly Module, beleuchten seine Features, den Klang, die Bedienung und den praktischen Einsatz – und prüfen, ob Korg mit dieser Variante die hohen Erwartungen erfüllt.
Der Korg Mono/Poly aus dem Jahr 1981 war ein Meilenstein: Mit vier Oszillatoren, flexiblen Modulationsmöglichkeiten und einem einzigartigen „Round-Robin“-Modus bot er experimentelle Features, die sonst nur in modularen Systemen zu finden waren. Der neue Multi/Poly knüpft an dieses Erbe an, ist aber weit mehr als eine bloße Neuauflage. Mit der neuesten Generation von Korgs Analog Modeling Technology, einer Polyphonie von bis zu 60 Stimmen und digitalen Erweiterungen wie Wavetable-Synthese und Waveshaping hebt er die Klanggestaltung auf ein neues Niveau.
Das Multi/Poly Module bringt all diese Möglichkeiten in ein platzsparendes Gehäuse, das sich nahtlos in moderne Studio-Setups oder Live-Rigs integrieren lässt. Für 849 Euro (UVP) bietet es die volle Funktionalität der Tastaturversion, verzichtet aber auf Pitch- und Modulationsräder. Doch wie schlägt sich das Modul in der Praxis?
Verarbeitung und Design: Kompakt und robust
Das Multi/Poly Module präsentiert sich in einem 19-Zoll-Rackformat, das sowohl als Desktop-Gerät als auch im Rack verbaut werden kann. Mit den Maßen von 483 x 172 x 107 mm (Breite x Höhe x Tiefe) und einem Gewicht von rund 1,7 kg ist es deutlich kompakter und leichter als die Tastaturversion. Das Gehäuse besteht aus einer Kombination aus gebürstetem Aluminium für die Frontplatte und robustem Kunststoff, was dem Modul eine hohe Stabilität verleiht, ohne wuchtig zu wirken. Zwei schwarz folierte Holzseitenteile sorgen für einen sicheren Stand auf dem Tisch.
Die Bedienoberfläche ist nahezu identisch mit der Tastaturversion: Ein blaues Bedienfeld mit klar angeordneten Reglern, Tastern und einem kleinen, aber scharfen OLED-Display dominiert die Optik. Das Kaoss Physics XY-Pad, ein Markenzeichen moderner Korg-Synthesizer, ist ebenfalls vorhanden, wenn auch etwas kleiner als bei der Tastaturversion. Die Regler bieten einen angenehmen Widerstand, und die Taster reagieren präzise – alles wirkt hochwertig und für den Dauereinsatz geeignet.
An der Rückseite finden sich alle wichtigen Anschlüsse: Stereo-Ausgänge (6,3 mm Klinke, symmetrisch), ein Kopfhöreranschluss (6,3 mm), MIDI In/Out, ein USB-B-Port für die Verbindung mit der Editor-Software und ein Anschluss für ein Dämpferpedal. Dank MIDI 2.0 Property Exchange und Unterstützung für polyphonen Aftertouch (über ein kompatibles MIDI-Keyboard wie den Korg Keystage) ist das Modul bestens für moderne Workflows gerüstet.
Ein kleines Manko: Ohne Pitch- und Modulationsräder verliert das Modul etwas an direkter Performance-Kontrolle. Für Live-Musiker, die diese Regler häufig nutzen, könnte dies ein Kompromiss sein, der durch ein externes MIDI-Controller-Keyboard ausgeglichen werden muss.
Klangerzeugung: Ein virtuell-analoges Kraftwerk
Das Herz des Multi/Poly Module ist Korgs neue Analog Modeling Technology, die nicht nur einzelne Komponenten wie Oszillatoren oder Filter, sondern komplette virtuelle Voice Cards modelliert. Diese simulieren die natürlichen Variationen analoger Hardware, wie sie durch Bauteiltoleranzen entstehen, und verleihen jeder Stimme einen einzigartigen Charakter. Das Ergebnis ist ein authentischer, lebendiger Klang, der den Charme analoger Synthesizer einfängt, ohne deren Wartungsaufwand.
Oszillatoren: Vielseitigkeit in drei Modi
Jedes der bis zu vier Programme innerhalb einer Performance verfügt über vier Oszillatoren, die in drei Modi arbeiten können:
Classic: Virtuell-analoge Wellenformen wie Sägezahn, Rechteck, Dreieck und Sinus, ideal für klassische Synth-Sounds.
Digital: Wavetable-Synthese mit importierbaren Wavetables im Standardformat, die von modernen bis experimentellen Klangfarben reichen.
Waveshaper: West-Coast-inspirierte Synthese, bei der einfache Wellenformen durch Shaper-Tabellen in komplexe Timbres verwandelt werden.
Zusätzlich gibt es einen Rauschgenerator sowie Ring- und Crossmodulation, die die Klangpalette noch weiter ausdehnen. Die Oszillatoren können synchronisiert werden, und die Layer Rotate-Funktion – inspiriert vom Mono/Poly – triggert bei jedem Tastenanschlag einen anderen Layer, was besonders mit dem Arpeggiator oder Sequencer faszinierende Ergebnisse liefert.
Filter: Ein Festival der Klassiker
Die Dual-Filter-Sektion ist ein Highlight des Multi/Poly Module. Zwei Filter können parallel oder in Serie geschaltet werden und bieten eine beeindruckende Auswahl an Modellen, die ikonische Synthesizer emulieren:
Mono/Poly: Das Originalfilter des Mono/Poly.
MS-20: Aggressiv und resonant, perfekt für Leads und Bässe.
Mini: 24 dB Tiefpass im Stil des Minimoog.
Pro: Emulation des Sequential Prophet-5-Filters.
SEM: Oberheim-ähnliches Filter mit sanfter Charakteristik.
Insgesamt stehen 17 Filtervarianten (Lowpass, Highpass, Bandpass, Notch) mit 12 oder 24 dB Flankensteilheit zur Verfügung. Der Multi-Filter ermöglicht sogar eine stufenlose Überblendung zwischen verschiedenen Charakteristiken, was enorme Flexibilität bietet. Die Filter klingen durchweg authentisch und reagieren dynamisch auf Modulationen.
Modulation: Ein Paradies für Sounddesigner
Die Modulationsmöglichkeiten des Multi/Poly Module sind schlicht überwältigend. Pro Programm stehen zur Verfügung:
Vier DAHDSR-Hüllkurven, loopbar und mit Presets, die das Verhalten von Klassikern wie Mono/Poly, MS-20, ARP Odyssey oder Prophet-5 nachbilden.
Fünf LFOs mit verschiedenen Wellenformen.
Sechs Modulationsprozessoren, die komplexe Signalflüsse ermöglichen.
Motion Sequencing 2.0, ein erweitertes System aus dem Korg Wavestate, das Parameteränderungen in bis zu vier „Lanes“ (Timing, Tonhöhe, Form, Steps) aufzeichnet und für rhythmische oder evolutive Klangverläufe sorgt.
Kaoss Physics: Das XY-Pad erlaubt physikalisch modellierte Modulationen, die intuitiv und oft überraschend kreativ sind.
Mit über 5.500 Modulationszielen ist die Modulationsmatrix nahezu unbegrenzt flexibel. Selbst erfahrene Sounddesigner werden hier Wochen, wenn nicht Monate, mit der Erkundung verbringen können.
Effekte: Studioqualität an Bord
Die Effektsektion des Multi/Poly Module ist ebenso beeindruckend. Jeder der vier Layer kann mit drei Insert-Effekten (z. B. Chorus, Delay, Distortion) ausgestattet werden. Ein Master-Reverb und ein parametrischer Master-EQ runden das Klangbild ab. Die Effekte sind von hoher Qualität und lassen sich tiefgehend editieren, was besonders für atmosphärische Pads oder komplexe Sequenzen von Vorteil ist.
Bedienung: Intuitiv trotz Komplexität
Die Bedienung des Multi/Poly Module ist ein Balanceakt zwischen direkter Kontrolle und Menü-Navigation. Die wichtigsten Parameter wie Oszillator-Mix, Filter-Cutoff, Resonanz und Hüllkurven sind über dedizierte Regler direkt zugänglich. Die vier MOD-Knobs können frei belegt werden, was die Performance erheblich erleichtert. Das Kaoss Physics Pad lädt zu experimentellen Modulationen ein und sorgt für „Happy Accidents“ – besonders in Live-Situationen.
Das kleine OLED-Display ist jedoch ein Kritikpunkt. Während es scharf und kontrastreich ist, erfordern tiefere Edits häufiges Blättern durch Menüs, was auf Dauer ermüdend sein kann. Hier kommt die kostenlose Editor/Librarian-Software (für Mac und Windows) ins Spiel, die eine übersichtliche Oberfläche bietet und das Sounddesign erheblich beschleunigt. Presets können zwischen Hardware, Software (Multi/Poly native) und Drittanbieter-Bibliotheken nahtlos ausgetauscht werden, was die Integration in DAWs wie Cubase oder Logic vereinfacht.
Einsteiger könnten von der schieren Fülle an Möglichkeiten zunächst überfordert sein. Wer jedoch mit Synthesizern wie dem Korg Modwave oder Wavestate vertraut ist, wird sich schnell zurechtfinden. Die mitgelieferten 340 Factory Performances sind ein guter Einstieg und decken eine breite Palette ab – von klassischen Pads und Leads über moderne Wavetable-Sounds bis hin zu komplexen, sequenzbasierten Texturen.
Klang: Authentisch, vielseitig, inspirierend
Der Klang des Multi/Poly Module ist schlicht atemberaubend. Die Analog Modeling Technology liefert warme, charaktervolle Sounds, die von Vintage-Synths kaum zu unterscheiden sind. Klassische Leads und Bässe klingen fett und durchsetzungsfähig, während Pads durch die hohe Polyphonie (bis zu 60 Stimmen) und die Effektsektion episch und räumlich wirken. Die Wavetable- und Waveshaper-Modi eröffnen moderne, digitale Klangwelten, die perfekt für Genres wie Ambient, IDM oder Cinematic geeignet sind.
Besonders beeindruckend ist die Layer Rotate-Funktion, die in Kombination mit dem Motion Sequencing 2.0 und dem Arpeggiator dynamische, sich ständig entwickelnde Klanglandschaften schafft. Die virtuellen Voice Cards sorgen für subtile Variationen, die den Klang organisch und lebendig machen – ein klarer Vorteil gegenüber rein digitalen Synths. Die Filtersektion glänzt mit ihrer Authentizität: Das MS-20-Filter liefert aggressive, knurrende Töne, während das Mini-Filter warme, runde Texturen zaubert.
Ein kleiner Kritikpunkt: Manche Factory-Sounds wirken etwas generisch und könnten die enorme Tiefe der Engine besser ausreizen. Hier liegt es an den Nutzern, eigene Presets zu erstellen, um das volle Potenzial auszuschöpfen.
Vergleich und Alternativen
Im Preisbereich um 850 Euro konkurriert das Multi/Poly Module mit Synthesizern wie dem Roland GAIA 2, dem Waldorf Blofeld Desktop und Korgs eigenem Modwave. Während der GAIA 2 mit einer hochwertigeren Tastatur punktet (in der Keyboard-Version), bietet das Multi/Poly Module eine tiefere Modulationsmatrix und die einzigartige Layer Rotate-Funktion. Der Blofeld ist ebenfalls ein Wavetable-Meister, klingt aber digitaler und weniger analog-authentisch. Der Modwave ist eine günstigere Alternative (ca. 650 Euro), hat aber weniger Fokus auf Analog Modeling und eine weniger umfangreiche Filtersektion.
Ein Vorteil des Multi/Poly Module ist die nahtlose Integration mit der Multi/Poly native Software (199 USD, für Hardware-Besitzer 49,99 USD), die es zu einer hybriden Lösung für Studio und Live macht. Wer keinen Platz für Hardware hat, könnte auch direkt zur Software greifen, verliert aber die taktile Bedienung.
Fazit: Ein Meisterwerk für Studio und Experiment
Das Korg Multi/Poly Module ist ein virtuell-analoger Synthesizer der Extraklasse. Mit seiner neuen Analog Modeling Technology, den vielseitigen Oszillatoren, der beeindruckenden Filtersektion und den nahezu unbegrenzten Modulationsmöglichkeiten setzt es Maßstäbe im Preisbereich unter 1.000 Euro. Das kompakte Design macht es ideal für platzbewusste Studios, und die Unterstützung von MIDI 2.0 sowie polyphonem Aftertouch (über externe Controller) zeigt, dass Korg auch an die Zukunft denkt.
Natürlich gibt es kleinere Schwächen: Das kleine Display und die Abhängigkeit von der Editor-Software für tiefere Edits könnten für manche Nutzer störend sein, und die fehlenden Pitch- und Modulationsräder machen ein externes Controller-Keyboard für Live-Performances fast zwingend erforderlich. Doch diese Kompromisse verblassen angesichts der klanglichen Möglichkeiten und der intuitiven Bedienung.
Für wen ist das Multi/Poly Module geeignet? Für Sounddesigner, die komplexe, vielschichtige Klänge erschaffen möchten, für Live-Performer, die mit Layer Rotate und Kaoss Physics dynamische Performances gestalten wollen, und für Studio-Produzenten, die einen authentischen Analog-Sound mit digitaler Flexibilität suchen. Wer bereits einen Wavestate oder Modwave besitzt, wird im Multi/Poly Module eine logische Weiterentwicklung finden, die die Stärken beider vereint.
Gesamtbewertung: 4,7 von 5 Sternen
Das Korg Multi/Poly Module ist ein inspirierendes Instrument, das die Grenzen zwischen analoger Wärme und digitaler Innovation verschwimmen lässt. Es ist nicht perfekt, aber verdammt nah dran.
Vorteile:
Authentisches Analog Modeling mit virtuellen Voice Cards
Enorme Klangvielfalt durch Wavetable- und Waveshaper-Modi
Tiefgehende Modulationsmöglichkeiten mit Motion Sequencing 2.0
Kompaktes, robustes Design für Studio und Rack
Nahtlose Integration mit Multi/Poly native Software
Nachteile:
Kleines Display erschwert tiefere Edits
Keine Pitch- und Modulationsräder
Factory-Sounds könnten die Engine besser ausreizen
Editor-Software für komplexe Programmierung nahezu Pflicht
Preis und Verfügbarkeit:
Das Korg Multi/Poly Module ist seit Februar 2025 für eine UVP von 849 Euro erhältlich. Weitere Informationen
auf der Hersteller-Webseite.
Audiobeispiele:
Korg Multi/Poly Mix 1 -
Korg Multi/Poly Mix 2 -
Korg Multi/Poly Another Gateway -
Korg Multi/Poly Alone Dancing -
Korg Multi/Poly Ace Maverick -
Korg Multi/Poly 3049 Portents -
Update Required
To play the media you will need to either update your browser to a recent version or update your Flash plugin.
Test: Korg Multi/Poly Synthesizer
Korg hat mit dem Multi/Poly einen virtuell-analogen Synthesizer geschaffen, der die Essenz des legendären Mono/Poly aus den 1980er-Jahren einfängt und mit moderner Technologie aufwertet. Während die Tastaturversion des Multi/Poly bereits für Aufsehen gesorgt hat, bringt das Multi/Poly Module, vorgestellt auf der NAMM 2025, die gleiche Klangpower in ein kompaktes Desktop- und Rack-Format. Ohne Tastatur ist es speziell für Musiker konzipiert, die bereits ein Masterkeyboard besitzen oder ihren Studio-Platz optimieren möchten. In diesem Test werfen wir einen detaillierten Blick auf das Multi/Poly Module, beleuchten seine Features, den Klang, die Bedienung und den praktischen Einsatz – und prüfen, ob Korg mit dieser Variante die hohen Erwartungen erfüllt.
INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung: Die Evolution des Mono/Poly
Der Korg Mono/Poly aus dem Jahr 1981 war ein Meilenstein: Mit vier Oszillatoren, flexiblen Modulationsmöglichkeiten und einem einzigartigen „Round-Robin“-Modus bot er experimentelle Features, die sonst nur in modularen Systemen zu finden waren. Der neue Multi/Poly knüpft an dieses Erbe an, ist aber weit mehr als eine bloße Neuauflage. Mit der neuesten Generation von Korgs Analog Modeling Technology, einer Polyphonie von bis zu 60 Stimmen und digitalen Erweiterungen wie Wavetable-Synthese und Waveshaping hebt er die Klanggestaltung auf ein neues Niveau.
Das Multi/Poly Module bringt all diese Möglichkeiten in ein platzsparendes Gehäuse, das sich nahtlos in moderne Studio-Setups oder Live-Rigs integrieren lässt. Für 849 Euro (UVP) bietet es die volle Funktionalität der Tastaturversion, verzichtet aber auf Pitch- und Modulationsräder. Doch wie schlägt sich das Modul in der Praxis?
Verarbeitung und Design: Kompakt und robust
Das Multi/Poly Module präsentiert sich in einem 19-Zoll-Rackformat, das sowohl als Desktop-Gerät als auch im Rack verbaut werden kann. Mit den Maßen von 483 x 172 x 107 mm (Breite x Höhe x Tiefe) und einem Gewicht von rund 1,7 kg ist es deutlich kompakter und leichter als die Tastaturversion. Das Gehäuse besteht aus einer Kombination aus gebürstetem Aluminium für die Frontplatte und robustem Kunststoff, was dem Modul eine hohe Stabilität verleiht, ohne wuchtig zu wirken. Zwei schwarz folierte Holzseitenteile sorgen für einen sicheren Stand auf dem Tisch.
Die Bedienoberfläche ist nahezu identisch mit der Tastaturversion: Ein blaues Bedienfeld mit klar angeordneten Reglern, Tastern und einem kleinen, aber scharfen OLED-Display dominiert die Optik. Das Kaoss Physics XY-Pad, ein Markenzeichen moderner Korg-Synthesizer, ist ebenfalls vorhanden, wenn auch etwas kleiner als bei der Tastaturversion. Die Regler bieten einen angenehmen Widerstand, und die Taster reagieren präzise – alles wirkt hochwertig und für den Dauereinsatz geeignet.
An der Rückseite finden sich alle wichtigen Anschlüsse: Stereo-Ausgänge (6,3 mm Klinke, symmetrisch), ein Kopfhöreranschluss (6,3 mm), MIDI In/Out, ein USB-B-Port für die Verbindung mit der Editor-Software und ein Anschluss für ein Dämpferpedal. Dank MIDI 2.0 Property Exchange und Unterstützung für polyphonen Aftertouch (über ein kompatibles MIDI-Keyboard wie den Korg Keystage) ist das Modul bestens für moderne Workflows gerüstet.
Ein kleines Manko: Ohne Pitch- und Modulationsräder verliert das Modul etwas an direkter Performance-Kontrolle. Für Live-Musiker, die diese Regler häufig nutzen, könnte dies ein Kompromiss sein, der durch ein externes MIDI-Controller-Keyboard ausgeglichen werden muss.
Klangerzeugung: Ein virtuell-analoges Kraftwerk
Das Herz des Multi/Poly Module ist Korgs neue Analog Modeling Technology, die nicht nur einzelne Komponenten wie Oszillatoren oder Filter, sondern komplette virtuelle Voice Cards modelliert. Diese simulieren die natürlichen Variationen analoger Hardware, wie sie durch Bauteiltoleranzen entstehen, und verleihen jeder Stimme einen einzigartigen Charakter. Das Ergebnis ist ein authentischer, lebendiger Klang, der den Charme analoger Synthesizer einfängt, ohne deren Wartungsaufwand.
Oszillatoren: Vielseitigkeit in drei Modi
Jedes der bis zu vier Programme innerhalb einer Performance verfügt über vier Oszillatoren, die in drei Modi arbeiten können:
Zusätzlich gibt es einen Rauschgenerator sowie Ring- und Crossmodulation, die die Klangpalette noch weiter ausdehnen. Die Oszillatoren können synchronisiert werden, und die Layer Rotate-Funktion – inspiriert vom Mono/Poly – triggert bei jedem Tastenanschlag einen anderen Layer, was besonders mit dem Arpeggiator oder Sequencer faszinierende Ergebnisse liefert.
Filter: Ein Festival der Klassiker
Die Dual-Filter-Sektion ist ein Highlight des Multi/Poly Module. Zwei Filter können parallel oder in Serie geschaltet werden und bieten eine beeindruckende Auswahl an Modellen, die ikonische Synthesizer emulieren:
Insgesamt stehen 17 Filtervarianten (Lowpass, Highpass, Bandpass, Notch) mit 12 oder 24 dB Flankensteilheit zur Verfügung. Der Multi-Filter ermöglicht sogar eine stufenlose Überblendung zwischen verschiedenen Charakteristiken, was enorme Flexibilität bietet. Die Filter klingen durchweg authentisch und reagieren dynamisch auf Modulationen.
Modulation: Ein Paradies für Sounddesigner
Die Modulationsmöglichkeiten des Multi/Poly Module sind schlicht überwältigend. Pro Programm stehen zur Verfügung:
Mit über 5.500 Modulationszielen ist die Modulationsmatrix nahezu unbegrenzt flexibel. Selbst erfahrene Sounddesigner werden hier Wochen, wenn nicht Monate, mit der Erkundung verbringen können.
Effekte: Studioqualität an Bord
Die Effektsektion des Multi/Poly Module ist ebenso beeindruckend. Jeder der vier Layer kann mit drei Insert-Effekten (z. B. Chorus, Delay, Distortion) ausgestattet werden. Ein Master-Reverb und ein parametrischer Master-EQ runden das Klangbild ab. Die Effekte sind von hoher Qualität und lassen sich tiefgehend editieren, was besonders für atmosphärische Pads oder komplexe Sequenzen von Vorteil ist.
Bedienung: Intuitiv trotz Komplexität
Die Bedienung des Multi/Poly Module ist ein Balanceakt zwischen direkter Kontrolle und Menü-Navigation. Die wichtigsten Parameter wie Oszillator-Mix, Filter-Cutoff, Resonanz und Hüllkurven sind über dedizierte Regler direkt zugänglich. Die vier MOD-Knobs können frei belegt werden, was die Performance erheblich erleichtert. Das Kaoss Physics Pad lädt zu experimentellen Modulationen ein und sorgt für „Happy Accidents“ – besonders in Live-Situationen.
Das kleine OLED-Display ist jedoch ein Kritikpunkt. Während es scharf und kontrastreich ist, erfordern tiefere Edits häufiges Blättern durch Menüs, was auf Dauer ermüdend sein kann. Hier kommt die kostenlose Editor/Librarian-Software (für Mac und Windows) ins Spiel, die eine übersichtliche Oberfläche bietet und das Sounddesign erheblich beschleunigt. Presets können zwischen Hardware, Software (Multi/Poly native) und Drittanbieter-Bibliotheken nahtlos ausgetauscht werden, was die Integration in DAWs wie Cubase oder Logic vereinfacht.
Einsteiger könnten von der schieren Fülle an Möglichkeiten zunächst überfordert sein. Wer jedoch mit Synthesizern wie dem Korg Modwave oder Wavestate vertraut ist, wird sich schnell zurechtfinden. Die mitgelieferten 340 Factory Performances sind ein guter Einstieg und decken eine breite Palette ab – von klassischen Pads und Leads über moderne Wavetable-Sounds bis hin zu komplexen, sequenzbasierten Texturen.
Klang: Authentisch, vielseitig, inspirierend
Der Klang des Multi/Poly Module ist schlicht atemberaubend. Die Analog Modeling Technology liefert warme, charaktervolle Sounds, die von Vintage-Synths kaum zu unterscheiden sind. Klassische Leads und Bässe klingen fett und durchsetzungsfähig, während Pads durch die hohe Polyphonie (bis zu 60 Stimmen) und die Effektsektion episch und räumlich wirken. Die Wavetable- und Waveshaper-Modi eröffnen moderne, digitale Klangwelten, die perfekt für Genres wie Ambient, IDM oder Cinematic geeignet sind.
Besonders beeindruckend ist die Layer Rotate-Funktion, die in Kombination mit dem Motion Sequencing 2.0 und dem Arpeggiator dynamische, sich ständig entwickelnde Klanglandschaften schafft. Die virtuellen Voice Cards sorgen für subtile Variationen, die den Klang organisch und lebendig machen – ein klarer Vorteil gegenüber rein digitalen Synths. Die Filtersektion glänzt mit ihrer Authentizität: Das MS-20-Filter liefert aggressive, knurrende Töne, während das Mini-Filter warme, runde Texturen zaubert.
Ein kleiner Kritikpunkt: Manche Factory-Sounds wirken etwas generisch und könnten die enorme Tiefe der Engine besser ausreizen. Hier liegt es an den Nutzern, eigene Presets zu erstellen, um das volle Potenzial auszuschöpfen.
Vergleich und Alternativen
Im Preisbereich um 850 Euro konkurriert das Multi/Poly Module mit Synthesizern wie dem Roland GAIA 2, dem Waldorf Blofeld Desktop und Korgs eigenem Modwave. Während der GAIA 2 mit einer hochwertigeren Tastatur punktet (in der Keyboard-Version), bietet das Multi/Poly Module eine tiefere Modulationsmatrix und die einzigartige Layer Rotate-Funktion. Der Blofeld ist ebenfalls ein Wavetable-Meister, klingt aber digitaler und weniger analog-authentisch. Der Modwave ist eine günstigere Alternative (ca. 650 Euro), hat aber weniger Fokus auf Analog Modeling und eine weniger umfangreiche Filtersektion.
Ein Vorteil des Multi/Poly Module ist die nahtlose Integration mit der Multi/Poly native Software (199 USD, für Hardware-Besitzer 49,99 USD), die es zu einer hybriden Lösung für Studio und Live macht. Wer keinen Platz für Hardware hat, könnte auch direkt zur Software greifen, verliert aber die taktile Bedienung.
Fazit: Ein Meisterwerk für Studio und Experiment
Das Korg Multi/Poly Module ist ein virtuell-analoger Synthesizer der Extraklasse. Mit seiner neuen Analog Modeling Technology, den vielseitigen Oszillatoren, der beeindruckenden Filtersektion und den nahezu unbegrenzten Modulationsmöglichkeiten setzt es Maßstäbe im Preisbereich unter 1.000 Euro. Das kompakte Design macht es ideal für platzbewusste Studios, und die Unterstützung von MIDI 2.0 sowie polyphonem Aftertouch (über externe Controller) zeigt, dass Korg auch an die Zukunft denkt.
Natürlich gibt es kleinere Schwächen: Das kleine Display und die Abhängigkeit von der Editor-Software für tiefere Edits könnten für manche Nutzer störend sein, und die fehlenden Pitch- und Modulationsräder machen ein externes Controller-Keyboard für Live-Performances fast zwingend erforderlich. Doch diese Kompromisse verblassen angesichts der klanglichen Möglichkeiten und der intuitiven Bedienung.
Für wen ist das Multi/Poly Module geeignet? Für Sounddesigner, die komplexe, vielschichtige Klänge erschaffen möchten, für Live-Performer, die mit Layer Rotate und Kaoss Physics dynamische Performances gestalten wollen, und für Studio-Produzenten, die einen authentischen Analog-Sound mit digitaler Flexibilität suchen. Wer bereits einen Wavestate oder Modwave besitzt, wird im Multi/Poly Module eine logische Weiterentwicklung finden, die die Stärken beider vereint.
Gesamtbewertung: 4,7 von 5 Sternen
Das Korg Multi/Poly Module ist ein inspirierendes Instrument, das die Grenzen zwischen analoger Wärme und digitaler Innovation verschwimmen lässt. Es ist nicht perfekt, aber verdammt nah dran.
Vorteile:
Nachteile:
Preis und Verfügbarkeit:
Das Korg Multi/Poly Module ist seit Februar 2025 für eine UVP von 849 Euro erhältlich. Weitere Informationen
auf der Hersteller-Webseite.
Audiobeispiele: